(un)möglich

Wie man Mobilität anders denken kann

Am 6. November 2019 hat die Gastrednerin Sophia Gross-Fengels (M.Sc.) auf unserer Veranstaltung zum Thema „Smart Mobility – Welche Mobilität brauchen wir in Zukunft? Innovative Konzepte für den ländlichen Raum“ vor über 30 interessierten Teilnehmenden einem Impulsvortrag gehalten. Es ist beeindruckend, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, die uns zur Verfügung stehen, um den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Petershagen zu reorganisieren.

Hier soll zumindest ein kleiner Ausschnitt aus der Vielfalt dargestellt werden: Bei der Umgestaltung des ÖPNV im ländlichen Raum geht es nicht darum, die private Pkw-Nutzung unnötig zu machen. Wir leben nicht in einer großen Stadt und damit wird eine gewisse Abhängigkeit vom Individualverkehr nicht zu vermeiden sein. Aber es ist sinnvoll und machbar, die Anzahl der Pkw pro Haushalt deutlich zu reduzieren. Es existieren wichtige Wege, die für jedermann anfallen: Der Weg zur Arbeit, zur Ausbildungsstätte, zur Schule und Kindergarten, zur Uni, aber auch die Wege zum Supermarkt, zum Arzt oder zu kulturellen Angeboten.

Wenn der ÖPNV überdacht werden und von der Bevölkerung angenommen werden soll, dann ist die Überplanung nach den Angaben der Bürger zu persönlichen Mobilitätserfordernissen (Start, Ziel, Zeitpunkt, Dauer, Frequenz, etc.) zwingend. Geisterbusse auf festgelegten Linien zu fremdbestimmten Zeiten, sind heute nicht mehr zielführend. Vielmehr braucht es einen reichhaltigen Mix von Mobilitätsmöglichkeiten. Wenn wir von der ständigen Nutzung von großen Pkw durch nur einzelne Personen wegkommen wollen, dann müssen wir den NEUEN ÖPNV gedanklich an der Haustür der Einzelperson beginnen lassen.

Denkbar sind Sharing- und Leasing-Angebote (Fahrräder, Lastenfahrräder, Motorroller, Autos) aber auch nach wie vor von Menschen gesteuerte (Klein-)Busse und die schnelle Anbindung an den Schienenverkehr. Dieser Ausschnitt aus dem Ideenpool kann jedoch nur in der Realität funktionieren, wenn die Angebote aufeinander und auf die konkreten Einwohnerbedarfe abgestimmt sind und im Zusammenhang funktionieren. Das heißt die Mobilität muss tatsächlich von der Haustür bis zum Ziel gewährleistet sein. Entscheidende Schnittstellen sind jeweils die Orte, an denen man von dem einen auf das andere Verkehrsmittel wechselt. Diese Orte bedürfen einer guten Planung, damit es zu Erleichterungen statt zu Hindernissen kommt.

Heute ist die Vernetzung von Mobilitätsangeboten bereits ganz problemlos mit Apps über das Smartphone koordinierbar. Wenn eine App die Nutzungsmöglichkeiten in Petershagen aufzeigt, koordiniert, bucht und abrechnet, dann fehlt natürlich für denjenigen Bevölkerungsteil, der sich bislang vom Smartphone ferngehalten hat, eine INTEGRATION in den NEUEN ÖPNV. Tatsächlich nutzen viel mehr Menschen (auch in Petershagen und auch ältere Menschen) das Smartphone, als man glauben mag. Nutzungsinteressierte brauchen eine Einweisung in den Umgang mit der Mobilitätsapp, d.h. wir müssen eine Form von MOBILITÄTSBILDUNG stets mitdenken. Für Menschen, die das Smartphone nicht nutzen können, müssen wir von Beginn an Alternativen mitdenken. Wohl eher ist aber davon auszugehen, dass deren verbliebene Anzahl stetig abnehmen wird. Jedenfalls sollten wir der appbasierten Lösung nicht wegen eines imaginierten Produkt-Nutzer-Problems kritisch gegenüberstehen, sondern uns über die heutigen technischen Möglichkeiten freuen und sie annehmen.

Und wer sich nun fragt: Wie soll sich so etwas rechnen? Und: Wer soll das bezahlen? Der sollte sich auch fragen: Wie rechnen sich die aktuellen Geisterbusse und Geisterzüger? Und: Wer bezahlt bislang für den Weg von A nach B?

Defizitär wird die Mobilität vielleicht immer bleiben. Aber gut geplant und gut gemacht, kann das Defizit reduziert werden. Und die Umwelt wird es uns danken – unbezahlbar.

Siehe auch: Beitrag auf Friedewalde.de

 

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